Beim Bauen zählt Bargeld nichts – Gewinn wird immer weniger nur in Euro und Cent bemessen

Schon allein wegen der hohen Beträge erfolgt der Zahlungsverkehr auf Baustellen bargeldlos. Das gilt für die Abwicklung zwischen Bauherr und Unternehmer, als auch für die Bezahlung der gewerblichen Kräfte auf der Baustelle.

Durch die Einführung des Vergaberechtes vor mehr als 20 Jahren ist die Bauindustrie auch weitestgehend den schlechten Ruf der zweifelhaften „Barzahlung“ zum Erhalt öffentlicher Bauaufträge losgeworden. Im B2B-Segment findet zudem kein Austausch geldwerter Leistungen unter Umgehung der Umsatzsteuer statt.

Gleichwohl kann mit dem Verlust des Bargeldes eine vielleicht zunächst nur mittelbar wahrnehmbare und schleichende Erosion des Mantras der Vergütung als alleinige Gegenleistung für die Bauleistung einhergehen.

Schon heute spielen weitere geldwerte Faktoren als nur der Preis, bei den Auftragsentscheidungen eine Rolle: Das sind beispielsweise eine klare und faire Vertragsgestaltung, eine ordentliche Planung und Leistungsbeschreibung, die Bereitschaft Risiken zu definieren und gegebenenfalls aufzuteilen, die Bonifizierung durch Partizipation an Gewinnen, etwa als Bonus für eine termingerechte Ausführung.

Diese nicht direkt in einen festen Euro-Betrag mündenden Faktoren stellen letztlich für den Unternehmer geldwerte Vorteile dar. Zudem kommen immaterielle Anreize hinzu, wie etwa Zufriedenheit der Mitarbeiter, Motivation der Mitarbeiter bei kooperativer und nicht konfrontativer Projektabwicklung, die Bereitschaft, Probleme zu lösen und nicht nur zu verwalten.

Der dem Bauvertragsrecht anhaftende Antagonismus zwischen Geld und Leistung – viel Geld für wenig Leistung oder wenig Geld für viel Leistung – wird zunehmend von anderen Faktoren abgelöst. Was immer mehr zählt ist nicht der Profit in Euro und Cent, sondern auch der qualitative Gewinn für das Unternehmen, der sich nicht in Euro aufzählen lässt.

Ernst Wilhelm ist Rechtsanwalt und Baurechtsexperte in der Kanzlei HFK Rechtsanwälte, www.hfk.de